Maria Hagemeyer - Deutschlands erste Richterin
30. Todestag

Heute vor 30 Jahren, am 1. Dezember 1991, ist Frau Dr. Maria Hagemeyer, Deutschlands erste Richterin, im Alter von 95 Jahren in Bonn gestorben. Dazu Vizepräsident des Oberlandesgerichts Köln Christian Schmitz-Justen:

"Maria Hagemeyer ist aufgrund ihrer einzigartigen Vita auch heute noch beispielgebend für die gesamte Justiz. Ihre beeindruckenden juristischen Fähigkeiten und ihre Zielstrebigkeit, Geradlinigkeit und Fleiß haben es ihr ermöglicht, als erste Frau den Richterberuf in Deutschland zu ergreifen. Damit hat sie den Weg geebnet für die nachfolgenden Generationen von Frauen in der Justiz. Die Gleichstellung von Mann und Frau waren prägendes Merkmal ihres beruflichen Wirkens. Wir sind stolz darauf, dass Deutschlands erste Richterin im Bezirk des Oberlandesgerichts Köln tätig war und halten das Andenken an Maria Hagemeyer nicht nur aus Anlass ihres heutigen Todestages stets in Ehren."

Maria Hagemeyer wurde am 17. April 1896 in Köln geboren. Nach dem Abitur im Jahr 1916 nahm sie an der Universität Bonn das Studium der Rechtswissenschaften auf, obwohl Frauen zu dieser Zeit zum Examen nicht zugelassen waren (dies erfolgte erst 1919). Nach Abschluss ihres Studiums wurde sie 1922 mit Bestnote an der Universität Bonn promoviert. Sowohl im Studium als auch im anschließenden Referendariat zeigte sie herausragende juristische Fähigkeiten und Leistungen. Nach dem Referendariat wurde sie zunächst als Assessorin im preußischen Ministerium für Justiz tätig. Im Jahr 1927 wurde sie dann als erste Frau in Preußen zur Amts- und Landgerichtsrätin in Bonn ernannt. Die Zeitungen titelten damals u.a.: "Jetzt haben es die Frauen geschafft: Deutschlands erste Richterin." und "Der erste weibliche Richter in Deutschland.". Nach dem Ende des 2. Weltkriegs und Entlastung durch den Haupt-Entnazifizierungsausschuss in Bonn wurde Frau Dr. Hagemeyer 1950 für drei Jahre in das Bundesjustizministerium in Bonn abgeordnet, wo sie als Referatsleiterin mit dem Familienrecht und dabei insbesondere mit Fragen der Gleichstellung von Mann und Frau befasst war. Am 1. Januar 1953 kehrte sie als Landgerichtsdirektorin an das Landgericht Bonn zurück und leitete dort bis zu ihrer Versetzung in den Ruhestand im Jahr 1958 eine Zivilkammer. Im Jahr 1955 unternahm sie im Auftrag des Justizministeriums des Landes Nordrhein-Westfalen eine dreimonatige Studienreise durch die Vereinigten Staaten mit dem Ziel, dem Ministerium einen Überblick über die Stellung der amerikanischen Frau im privaten und öffentlichen Leben zu geben.

Bis zu ihrem Tod lebte Frau Dr. Hagemeyer in Bonn und wurde für ihre Verdienste vielfach gewürdigt.

 

Dr. Georg Winkel
Dezernent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit